Scherzartikel als gekaufte Ware sind jünger, als ihr Ruf vermuten lässt: Die meisten Klassiker wie Furzkissen, Schlange in der Dose oder Händeschüttel-Summer entstanden zwischen dem späten 19. Jahrhundert und den 1930er-Jahren. Möglich machten das billiger Gummi, Versandkataloge und Hersteller, die Streiche zum Geschäftsmodell machten. Der Wunsch, andere hereinzulegen, ist dagegen uralt.
Dieser Beitrag erzählt, was über die Herkunft der bekannten Gags gesichert ist und wo Legenden beginnen. Einen Überblick über die Klassiker und die Regeln für faire Streiche findest du auf der Seite Scherzartikel.
Streiche vor den Scherzartikeln
Lange bevor es Scherzartikel zu kaufen gab, gehörten Streiche zum Zusammenleben. Narren an Fürstenhöfen durften Mächtige verspotten, Fastnachts- und Karnevalsbräuche erlaubten an bestimmten Tagen, die Ordnung auf den Kopf zu stellen. Am 1. April schickte man sich gegenseitig mit sinnlosen Aufträgen los, eine Tradition, die im deutschsprachigen Raum seit dem 17. Jahrhundert belegt ist. Ideen für heute stehen in unseren Aprilscherzen für Büro und Familie.
Die Hilfsmittel dieser Streiche waren improvisiert: Masken, verkehrt herum getragene Kleidung, Ruß im Gesicht, ein Eimer Wasser über der Tür. Gekaufte Spezialartikel spielten kaum eine Rolle, weil sie schlicht zu teuer gewesen wären.
Aus der Antike sind Anekdoten überliefert, nach denen sich Herrscher mit Luftkissen oder Attrappen bei Gastmählern amüsierten. Diese Geschichten stammen aber aus Quellen, die schon in der Geschichtswissenschaft als unzuverlässig gelten. Als Beleg für ein antikes Furzkissen taugen sie nicht.
Die Wende: Gummi, Druck und Versandhandel
Drei Entwicklungen machten aus Streichen ein Produkt.
- Gummi wurde haltbar und billig. Mit der Vulkanisation im 19. Jahrhundert ließ sich Kautschuk zu elastischen, dauerhaften Formen verarbeiten. Gummispinnen, Ballons und Luftkissen wurden zur billigen Massenware.
- Druck und Pappe wurden günstig. Bunte Verpackungen, falsche Etiketten und Trickdosen konnten in großen Mengen hergestellt werden.
- Versandkataloge erreichten jedes Dorf. Vor allem in den USA verbreiteten Kataloghändler im frühen 20. Jahrhundert Scherzartikel, Zaubertricks und Kuriositäten bis in entlegene Orte. Die Artikel waren klein, leicht zu verschicken und erschwinglich.
Auf diesem Boden entstanden spezialisierte Hersteller, die sich ganz auf Gags konzentrierten. Einer der bekanntesten war der in Dänemark geborene Unternehmer Soren Sorensen Adams, der in den USA eine Firma für Scherzartikel gründete. Ihm werden unter anderem Niespulver, der Händeschüttel-Summer und die Schlange in der Dose zugeschrieben. Er gilt deshalb oft als Vater des modernen Scherzartikels.
Die Klassiker und ihre Herkunft
Furzkissen
Das Furzkissen in seiner heutigen Gummiform wird einer Gummiwarenfirma aus Toronto zugeschrieben, die es um 1930 aus Gummiresten herstellte. Nach verbreiteter Darstellung bot sie die Idee zunächst Adams an, der sie als zu unanständig ablehnte. Das Kissen kam trotzdem auf den Markt und wurde ein Verkaufserfolg. Später brachte auch Adams eine eigene Version heraus. Über den genauen Vertriebsweg und die Jahreszahlen unterscheiden sich die Quellen, die Grundzüge der Geschichte werden aber übereinstimmend erzählt.
Juckpulver
Juckpulver beruht auf einem einfachen Prinzip: Feine, steife Härchen reizen die Haut und lösen Kribbeln aus. Viele kennen das aus der Kindheit, als die Samenhärchen von Hagebutten unter den Kragen gesteckt wurden. Kommerzielle Juckpulver nutzten früher auch Härchen tropischer Juckbohnen. Heute ist die Zusammensetzung je nach Produkt verschieden.
Niespulver
Niespulver war im frühen 20. Jahrhundert ein Verkaufsschlager der Scherzartikelhersteller. Einige Rezepturen reizten die Schleimhäute stark und gerieten später wegen gesundheitlicher Bedenken in die Kritik. Moderne Scherzartikel setzen eher auf harmlose Gags als auf Reizstoffe.
Händeschüttel-Summer
Der flache Ring in der Handfläche, der beim Händedruck schnarrt, arbeitet mit einer aufgezogenen Feder. Er stammt aus der Zeit um 1930 und wird ebenfalls Adams zugeschrieben. Einen elektrischen Schlag gibt er trotz seines Rufs nicht ab.
Schlange in der Dose
Die Dose, die Nüsse oder Bonbons verspricht und beim Öffnen eine Stoffschlange auf einer Spiralfeder freigibt, gehört zu den langlebigsten Gags überhaupt. Das Prinzip ist seit Jahrzehnten unverändert.
Nasenbrille mit Schnurrbart
Die Brille mit Plastiknase, buschigen Augenbrauen und Schnurrbart ist im Englischen nach dem Komiker Groucho Marx benannt, dessen Markenzeichen sie nachahmt. In Deutschland ist sie als Nasenbrille oder Scherzbrille bekannt und bis heute ein Standard auf Partys.
Stinkbombe und Knallerbse
Stinkbomben enthalten schwefelhaltige Verbindungen, die nach faulen Eiern riechen. Knallerbsen sind winzige Päckchen mit einer sehr kleinen Menge Explosivstoff und Sand, die beim Aufprall knallen. Beide gehören zu den Artikeln, die heute strenger betrachtet werden: Knallerbsen zählen zum Kleinstfeuerwerk und haben eigene Altersgrenzen.
Überblick: Klassiker und ihre ungefähre Herkunft
| Scherzartikel | Ungefähre Herkunft | Prinzip |
|---|---|---|
| Juckpulver | Volkstümlich, Hagebutten | Pflanzenhärchen reizen die Haut |
| Niespulver | Frühes 20. Jahrhundert | Reizt die Nase |
| Furzkissen (Gummi) | Um 1930, Kanada | Luft entweicht durch ein Ventil |
| Händeschüttel-Summer | Um 1930, USA | Aufgezogene Feder schnarrt |
| Schlange in der Dose | Erste Hälfte 20. Jahrhundert | Spiralfeder schnellt heraus |
| Nasenbrille | Mitte 20. Jahrhundert | Verkleidung im Stil eines Komikers |
| Lachsack | Zweite Hälfte 20. Jahrhundert | Mechanisches oder elektronisches Lachen |
Die Angaben sind bewusst ungefähr. Bei vielen Scherzartikeln lässt sich kein einzelner Erfinder benennen, weil ähnliche Ideen an mehreren Orten entstanden oder kopiert wurden.
Scherzartikel in Deutschland
Im deutschsprachigen Raum sind Scherzartikel eng mit Fasching, Fastnacht und Karneval verbunden. Spezialisierte Läden und später die Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser führten Nasenbrillen, Pappnasen, Luftschlangen und Knallartikel. Dazu kam der 1. April, an dem Familien und Schulklassen traditionell zu Streichen greifen. Viele Klassiker kamen über Importe aus den USA und später aus Asien in die Läden, deutsche Bezeichnungen wie Furzkissen, Juckpulver oder Stinkbombe setzten sich dabei als Gattungsnamen durch.
Warum Scherzartikel funktionieren
So unterschiedlich die Klassiker sind, sie folgen fast alle demselben Muster. Ein Gegenstand weckt eine Erwartung, etwa eine Dose voller Nüsse, eine Blume am Revers oder ein bequemes Sofakissen, und bricht sie im nächsten Moment. Die kurze Verwirrung löst sich in Lachen auf, sobald klar wird, dass nichts Schlimmes passiert ist. Dieses Prinzip erklärt, warum viele Gags über Generationen unverändert bleiben: Sie brauchen keine Sprache, keine Erklärung und keine besondere Technik.
Es erklärt auch, warum manche Artikel kippen. Wenn der Schreck größer ist als die Erleichterung, etwa bei echter Angst oder Schmerz, bleibt das Lachen aus. Die Geschichte der Scherzartikel ist deshalb auch eine Geschichte des Aussortierens: Was Menschen ernsthaft schadete, verschwand aus vielen Katalogen.
Sicherheit im Wandel
Viele frühe Scherzartikel würden heute kaum noch verkauft. Reizende Pulver, scharfkantige Federmechanismen und Knallsätze ohne klare Altersgrenzen waren lange üblich. Heute gelten für Artikel, die als Spielzeug verkauft werden, in der EU verbindliche Sicherheitsanforderungen, erkennbar an der CE-Kennzeichnung. Knallartikel unterliegen den Regeln für Feuerwerk. Für Käuferinnen und Käufer heißt das: Altersangaben und Warnhinweise auf der Packung ernst nehmen, besonders bei Kleinteilen und bei allem, was knallt oder auf die Haut kommt.
Vom Laden ins Internet
Mit dem Onlinehandel haben sich Scherzartikel noch einmal verändert. Neben den Klassikern gibt es heute personalisierte Gags, etwa Tassen mit eigenem Foto, und elektronische Spielereien. An der Grundidee hat sich wenig geändert: Etwas sieht harmlos aus und verhält sich überraschend. Eine Auswahl der Gags, die sich bis heute halten, findest du in der Liste Die 25 besten Scherzartikel aller Zeiten. Weitere Spaßartikel vom Zauberwürfel bis zur Piñata erklärt unser Lexikon Spaßgadgets von A bis Z.
Gut zu wissen: Viele Geschichten rund um Scherzartikel werden im Netz ausgeschmückt, etwa angebliche Erfindungen im alten Rom. Wo die Quellenlage dünn ist, haben wir das hier offen gesagt. Ein guter Gag braucht ohnehin keine Legende.
Fragen und Antworten
Wer hat das Furzkissen erfunden?
Die heutige Gummiversion wird einer kanadischen Gummiwarenfirma aus Toronto zugeschrieben, die es um 1930 herstellte. Ein bekannter US-Scherzartikelhersteller soll die Idee zunächst als zu unanständig abgelehnt haben. Ältere Vorläufer werden in Anekdoten erwähnt, sind aber kaum belegt.
Woraus besteht Juckpulver?
Klassisch aus fein zerkleinerten Pflanzenhärchen, etwa den Samenhärchen der Hagebutte, die auf der Haut kribbeln. Kommerzielle Produkte nutzten früher auch die Härchen bestimmter Juckbohnen. Heutige Scherzartikel unterscheiden sich je nach Hersteller, die Inhaltsangabe steht auf der Packung.
Seit wann gibt es Scherzartikel zu kaufen?
Einzelne Scherzwaren wurden schon früher auf Jahrmärkten verkauft. Zum Massenprodukt wurden Scherzartikel aber erst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Gummiwaren billig wurden und Versandkataloge sie bis in kleine Orte brachten.
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- Die 25 besten Scherzartikel
Furzkissen, Spritzblume, Zaubertinte und 22 weitere Klassiker: was jeder Gag kann, für wen er passt und wo seine Grenzen liegen.
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Das Lexikon der lustigen Dinge: über 50 Spaßgadgets, Scherzartikel und Partyklassiker, kurz erklärt und nach Buchstaben sortiert.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Mehr Schbass.